Grabsteine und Grabeinfassungen ohne ausbeuterische Kinderarbeit









Viele Konsumenten und Kommunen kaufen unbewusst Natursteine ein, welche teilweise von Kindern unter ausbeuterischen Bedingungen beispielsweise in indischen Steinbrüchen geschlagen wurden. Mittlerweile stammt der überwiegende Teil der in Deutschland verkauften Grab- und Natursteine aus Indien. Brot für die Welt schätzt, dass 80% der neu aufgestellten Grabsteine in Deutschland aus Indien stammen. Der Deutsche Naturwerksteinverband e.V. (DNV) schätzt, dass 40-50% der hierzulande angebotenen Grabsteine aus Indien stammen. Als erstes Bundesland hat das Saarland bereits 2009 Friedhofsträgern die Möglichkeit eröffnet Grabsteine und Grabeinfassungen ohne ausbeuterische Kinderarbeit auf Friedhöfen zu fordern.

 

Stadt Saarbrücken und Gemeinde Kirkel engagieren sich gegen Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit auf Friedhöfen

Auf der Sitzung vom 22. März 2011 hat sich der Saarbrücker Stadtrat einstimmig dafür ausgesprochen zukünftig Grabsteine und Grabeinfassungen aus ausbeuterischer Kinderarbeit von Saarbrücker Friedhöfen zu verbannen. Mit dieser Entscheidung nimmt die Landeshauptstadt als Kommune eine bislang europaweite Vorreiterrolle im Kampf gegen Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit auf Friedhöfen ein. Die Gemeinde Kirkel legt ebenfalls in ihrer Friedhofssatzung fest, dass nur Grabmale aufgestellt werden dürfen, die nachweislich in der gesamten Wertschöpfungskette (ab der Entstehung) ohne ausbeuterische Kinderarbeit hergestellt sind.

 

Ein Arbeitstag im Steinbruch hat laut einer Studie von terre des hommes in der Regel zwölf Stunden. Für einen Akkordlohn setzen die Arbeiterinnen und Arbeiter ihre Gesundheit und bisweilen auch ihr Leben aufs Spiel. Meist arbeitet die ganze Familie im Steinbruch: Eltern wie Kinder. Der Teufelskreis der Armut schließt sich, wenn Kinderarbeiter nicht oder nicht regelmäßig zur Schule gehen können. Die körperlich anstrengende Arbeit der Kindern führt zu einer verkürzten Lebenserwartung von 35-40 Jahren.

 

Zertifizierte Natursteine ohne Kinderarbeit werden in den Produktionsländern durch unabhängige Organisationen überwacht. Andere Selbstverpflichtungen und Zertifikate von Exporteuren sind von Fall zu Fall kritisch zu hinterfragen. Über angebliche Zertifikate der UNICEF, bzw. UNESCO wurde von Exporteuren bereits in der Vergangenheit versucht die Kinderarbeitsfreiheit von Produkten zu dokumentieren. Natürlich zertifizieren weder UNICEF noch UNESCO Natursteine!

 

Anfangsberatung und Unterstützung

Das Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland e.V. (NES) begrüßt die Initiative des Saarbrücker Stadtrates und hofft auf Nachahmungseffekte in weiteren Kommunen im Saarland. Diesen Prozess unterstützend sind vom NES und weiteren Kooperationspartnern saarlandweite Informationsveranstaltungen und Workshops zum Einkauf unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Mindeststandards in Planung.

Interessierte Kommunen und Initiativen können sich für gemeinsame Veranstaltungen zu Grabsteinen ohne ausbeuterische Kinderarbeit und der Beschaffung unter Berücksichtigung von sozialen und ökologischen Mindeststandards an Herrn Kreutzer beim NES wenden.

 

Bezug von zertifizierten Grabsteinen und Grabeinfassungen

Im Saarland ist dem NES momentan kein Anbieter bekannt, welcher unabhängig zertifizierte Grabsteine anbietet. Für zum Beispiel komplett in Europa erstellte Grabsteine und Grabeinfassungen ist nach Einschätzung des NES davon auszugehen, dass diese frei von ausbeuterischer Kinderarbeit sind. Als unabhängige Standards werden für den Bereich Natursteine z.B. von www.kompass-nachhaltigkeit.de (ein Beratungsangebot im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)) genannt: Fair Stone, SA 8000, Xertifix. Dem NES bekannte liefernde Firmen sind momentan die Signum GmbH in Freiburg www.signum-grabzeichen.de und die Seib GmbH Natursteine www.seib-natursteine.com. Diese Liste ist nicht abschließend und weiter ausbaufähig. Wir erwarten, dass in naher Zukunft ein Anbieter aus dem Saarland/ Saarbrücken ebenfalls unabhängig zertifizierte Grabsteine und Grabeinfassungen anbieten wird.

 

Diese Webseite zur Information und Weitergabe praktischer Erfahrungen zu den bestehenden Beschlüsse im Saarland wird kontinuierlich ergänzt.

 


Dokumente zum Thema:

 

 

Bilder mit freundlicher Unterstützung von terre des hommes/ Nagender Singh Chhikara




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